Da der Herr Christ zu Tische saß (Johann Hermann Schein)

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  • (Posted 2025-06-28)  CPDL #85672:       
Editor: Gerd Eichler (submitted 2025-06-28).   Score information: A4, 2 pages, 117 kB   Copyright: CPDL
Edition notes: Transcribed from original print, original key signature and note values, clefs modernized.

General Information

Title: Da der Herr Christ zu Tische saß
Composer: Johann Hermann Schein
Lyricist:
Number of voices: 4vv   Voicing: SATB
Genre: SacredChorale

Language: German
Instruments: A cappella

First published: 1627 in Cantional, no. 42, p. 76
Description: Reuse of no. 127, Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn

External websites:

Original text and translations

German.png German text

1.  Da der HERR Chriſt zu Tiſche ſaß,
Zuletzt das Oſterlämblein aß,
Und wolt von hinnen ſcheiden,
Seinn Jüngern er trewlich befahl,
Daß man allzeit verkündgen ſol
Seinn Tod und bitter Leiden.

2.  Denn wer daſſelbig recht betracht,
Dem gibt es Stärck, Troſt, Muth und Krafft
In Trübſal Angſt und Nöthen.
Sein Creutz wird ihm nicht halb ſo ſchwer,
Ob er gleich kommt in Todsgefähr,
Sein Geiſt das Fleiſch kann tödten.

3.  Da er nun an den Oelberg kam,
Drey Jüngr in Garten mit ſich nahm,
Die hieß er niederſitzen,
Sprach: Bett und wacht ein kleine Zeit,
Und gieng von ihnen eins Steinwurffs weit,
Vor Angſt er Bluth thet ſchwitzen.

4.  Unſer Sünd macht ihm weh und bang,
Mit Teuffel, Todt und Höll er rang,
All ſein Krafft ihm entgienge.
Er ſprach: Vater, mag es geſeyn,
Nimm hin den Kelch und ſchwere Pein,
Troſt er vom Engl empfienge.

5.  O Vater, muß denn alſo seyn,
Dein Will geſcheh und nicht der mein,
Hertzlich gern will ich ſterben,
Damit ich nur die Brüder mein
Mag retten von der Höllen Pein,
Und ihnn dein Huld erwerben.

6.  Judas kam, das verlorne Kind,
Und bracht mit sich das Jüdſch Gſsind,
Mit Schwerdten und mit Stangen,
Mit einem Kuß er ihn verrieth,
Sie griffen ihn und führtn ihn mit
Gebunden und gefangen.

7.  Sanct Petrus mit dem Schwerdt ſchlug drein,
Der HERR ſprach: Ach nein, ſteck nur ein,
Und laß itzt alſo gehen,
Es ſoll und muß gelidten ſeyn,
Sonſt etlich tauſend Engelein
Würden bey mir wol ſtehen.

8.  Sie brachten ihn dem Caiphas dar,
Der damals Hoheprieſter war,
Den HERREN thet er fragen
Umb ſeyne Jünger und ſeyn Lehr,
Und was ſein Thun und Weſen wer,
Das ſolt er ihm da ſagen.

9.  Jeſus bald antwortet mit ein Wort,
Im Tempel hat man mich gehort
Offentlich vielmals lehren,
Die mich gehört han, darumb frag
Da gab ein Knecht ein Backenſchlag
Dem König aller Ehren.

10.  Viel falſcher Zeugen ſtellt man dar,
Der Warheit doch nichts ehnlich war,
Caiphas thet ihn beſchweren
Bey Gott, daß er ihm ſagen wolt,
Ob er wer, der da kommen ſolt,
Und der Mesſias were.

11.  Du ſagſts, sprach Chriſt, ich leugn es nicht,
Denn ich werd ſitzen zu Gericht,
In einer Wolcken kommen,
Caiphas gar bald zureiß ſein Kleid,
So hört, was gibt er für Beſcheid,
Das habt ihr wol vernommen.

12.  Ein Urtheil drauff gefellet war,
Sein Leben musſt er geben dar,
Er war verſpott, verhöhnet.
Sie ſpeyten ihm ins Angeſicht,
Kein Schmach ſie unterlieſſen nicht,
Sein war gar nicht verſchonet.

13.  Gleich wie einn Dieb ſie bunden ihn,
Und führtn ihn zu Pilato hin.
Fälſchlich er ward verklaget,
Da Judas merckt, daß also gieng,
Mit einem Strick er sich erhieng,
Verzweiffelt und verzaget.

14.  Pilatus aus der Klag vernahm,
Daß Chriſtus hett nicht args gethan,
Herodi ward gebrachte,
Da er dem nicht gab gutn Beſcheid,
Zog man ihm an ein weiſſes Kleid,
Verspott ihn und verachte.

15.  Vor Pilatum er wieder kam,
Der ſchlug ihn vor, und Barrabam,
Der'r ein er loß wolt geben.
Vermeynet, ſie würden bitten loß
Chriſtum und nicht den Mörder groß.
Den Jüden wars nicht eben.

16.  Pilatus ließ ihn züchtigen
Mit Ruthen ſcharff und geiſſelen,
Von Dornen auch ein Krone
Flochten die Kriegsknecht zu der Stund,
Damit das heilg Häupt ward verwund
Dem Herren Gotts Sohne.

17.  Ein Rohr ſie gaben in ſein Hand,
Legten ihm an ein Purpur Gewand,
Pilatus ihn ausführet:
Da ſeht doch ewren König an,
Mit der Straff wolt euch gnügen lan,
Mehr hat ihm nicht gebühret.

18.  Sie ſchrien all, nimm ihn nur hin
Von unſern Augn, und creutzig ihn,
Sonst wirſt du nichts guts ſchaffen,
Sondern damit du klar beweiſt,
Daß du kein Freund des Keyſers ſeyst,
Und wollſt Auffruhr nicht ſtraffen.

19.  Der Red erſchrack Pilatus ſehr,
Und ließ ihm bringen Waſſer her,
Daraus wuſch er ſein Hände:
Ich bin unſchuldig an dem Blut,
Seht drauff ihr Jüden, was ihr thut,
All Schuld auff euch ich wende.

20.  Sein Blut, ſchrey das gantz Jüdiſch Gſind,
Sey über uns und unſer Kind,
Ubr uns wirs nehmen wollen,
Gſchicht ihm unrecht an ſeinem Todt,
So ſtraffs an uns der grechte GOtt,
Die Schuld wir tragen ſollen.

21.  Als er hinaus geführet war,
Da folgt ihm nach ein groſſe Schaar,
Die Weiber weinten ſehre:
Weint übr euch ſelbſt und ewre Kind,
Denn groſſe Straff verhanden ſind,
Zu ihnn ſprach Chriſt der HERRE.

22.  Zween Schecher man mit ihm ausführt,
Zwiſchn die beyd er gehangen wurd,
Chriſtus hub an zu ſchreyen:
O Vater rechn es ihnn nicht zu,
Dis Volck weiß itzt nicht was es thu,
Drumb wolleſts ihnn verzeihen.

23.  Viel ſchrien: haſt du ander Leut
Geholffen, ſo hilff dir auch heut
Ein Schecher ſprach deßgleichen:
Biſt du Meſſias Gottes Sohn,
So hilff dir ſelbſt und uns davon,
Daß wir dem Todt entweichen.

24.  Der ander Schecher ſtrafft ihn drumb,
Und kehret ſich zum HERRN herumb,
Bat ihn mit gantzem Fleiſſe:
Gedenck mein in deins Vaters Reich,
Der HERR ſprach: heut mit mir zugleich
Solſt ſeyn im Paradeiſe.

25.  Umb ſechs Uhr ward ein Finſternis,
Desgleichen nie geweſen iſt,
Sich entſetzt die Nature,
Die Erd' erbebt, die Felſen hart
Zerriſſen, und betrübet ward
Darob all Creature.

26.  Zum Vater ſchrey mit lauter Stimm,
Der HERR ſeyn Seel befahl er ihm,
Damit ſeinn Geiſt auffgabe,
Darnach Joſeph der fromme Mann
kam, und nahm sich des Leichnams an,
Beſtetigt ihn zum Grabe.

27.  Wir dancken dir für deinen Todt,
HERR Jeſu, und ſolch groſſe Noth,
Die du ümb unſert willen
Erlidten haſt, denn ſonſt fürwahr
Kein Opffr im Himml und Erden war,
Das GOttes Zorn kund ſtillen.

28.  O Gottes Lamb, HERR Jeſu Chriſt,
Der du für uns geſchlachtet biſt,
Und ein Sündopffer worden,
Dadurch du haſt all Sünden Schuld
Für uns bezahlt in groſſr Gedult,
Wehrs Teuffels Lügn und Morden.

29.  Erhalt für ihm dein Kirch und Wort,
Daß hie zeitlich und ewig dort
Geheiligt wird dein Name,
Dein Leiden Creutz und bitter Todt
Sey unſer Troſt in aller Noth,
H E R R Chriſt, das hilff uns, Amen.